Mit digitalen Technologien eine deutlich robustere flächendeckende medizinische Versorgung herstellen: Vier Projekte aus dem Technologieprogramm Smart Service Welten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) zeigen wie das geht.

Das deutsche Gesundheitswesen steuert auf eine Krise zu: Vor allem ländliche Gegenden sind von Abwanderung betroffen, während die verbleibenden Einwohner immer älter werden und häufiger erkranken. Gemeinsam mit der Bevölkerung schrumpft auch die Anzahl der Arztpraxen in diesen Regionen, was zu medizinischen Versorgungsengpässen führen kann. Digitale Technologien können diesem Trend entgegenwirken und dazu beitragen, dass trotz allem eine flächendeckende medizinische Versorgung gewährleistet ist. Im Technologieprogramm Smart Service Welten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz wurden vier Lösungen entwickelt, die das Gesundheitssystem stärker vernetzen.

Das Projekt HLaN unterstützt medizinisches Personal und Start-ups des Gesundheitswesens mit einem digitalen Netzwerk, das gleichzeitig als Reallabor fungiert, in dem neu entwickelte medizinische Produkte in der Versorgungspraxis evaluiert werden können. HLaN ermöglicht dank digitaler Infrastruktur die Übertragung sensibler medizinischer Daten an andere Netzteilnehmer. So können Patientendaten etwa in Kollaboration mit Anbietern von elektronischen Patientenakten digital gesammelt, mit weiteren Daten kombiniert und der medizinischen Versorgung zur Verfügung gestellt werden. HLaN konnte so bereits über 80 Unternehmen auf ihrem Weg in die medizinische Praxis begleiten, darunter auch acht der ersten 22 DiGAs (Digitale Gesundheitsanwendungen).

Auch das Förderprojekt DACE will die medizinische Versorgung durch mehr Kollaboration zwischen Akteuren des Gesundheitswesens fördern. Das Projekt stellt eine browserbasierte Teamarbeitsplattform bereit, sodass insbesondere Gesundheitsdienstleister sich vernetzen können. Über die Plattform wird einfache, datenschutzkonforme Kommunikation ermöglicht, während Mitglieder eines Teams gleichzeitig Einsicht in Patientendaten erhalten. Dazu zählen etwa auch Vitalwerte, Labordaten oder Medikation, die von den Patienten selbst über eine App bereitgestellt werden. Die App ermöglicht es den Patienten außerdem direkt mit dem Versorgungsteam zu kommunizieren und kann zukünftig als DiGA auch von Ärzten verschrieben werden. So wird die Telemedizin-Infrastruktur signifikant verbessert, indem die medizinische Versorgung effizienter gestaltet und medizinisches Fachpersonal entlastet wird.

Für Entlastung von medizinischem Personal sorgt auch das Projekt OP 4.1 – dem Namen entsprechend natürlich vor allem in der Chirurgie. Bei OP 4.1 handelt es sich um eine Cloud-basierte Plattform, die als Basis für die weiter fortschreitende Digitalisierung des OP-Saals dienen soll. Auf der Plattform laufen bislang ungenutzte Daten von medizinischen Geräten zusammen. Diese werden weiterverarbeitet und über Softwareapplikationen zugänglich gemacht. So kann das Personal entlastet werden – beispielsweise durch die virtuelle Darstellung von Organen während Operationen. Zugleich erhalten Patienten so Zugang zu innovativen Behandlungsmöglichkeiten. In Zukunft sollen auf der Basis der gesammelten Daten viele weitere digitale Anwendungen entstehen, wodurch zudem die Grundlage für neue Geschäftsmodelle geschaffen wird.

Den Zugang zu innovativer Technologie soll auch das Projekt GeniusTex erleichtern, das sich um die Produktion smarter Textilien dreht. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Kleidungsstücke oder Medizinprodukte, die mit Sensorik ausgestattet sind und Vitalwerte messen können. Um derlei Produkte herzustellen, ist eine Vernetzung zwischen Textilindustrie, Elektronikindustrie und Softwareindustrie notwendig, die über die digitale Plattform von GeniusTex ermöglicht wird. Verschiedene Akteure finden hier zusammen und können gemeinsam an der Umsetzung entsprechender Anwendungen arbeiten, die die medizinische Versorgung maßgeblich verbessern können.

Die Förderprojekte von Smart Service Welten belegen somit, dass die Medizin in Zukunft sehr viel digitaler werden wird. Durch mehr Vernetzung und intelligente Datennutzung wird die Patientenversorgung verbessert, medizinisches Personal entlastet und die Grundlage für viele weitere innovative Produkte und Dienstleistungen gelegt.

www.smartservicewelten.de

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