Gute Gesundheitsversorgung – Qualität ist, was Patient:innen hilft 

Dr. Anne Latz, M.Sc.

Das deutsche Gesundheitssystem hat den Anspruch, dass alle Patient:innen eine medizinische Behandlung auf hohem Niveau erhalten. Trotzdem fällt die Behandlungsqualität oft sehr unterschiedlich aus – nicht nur gemessen an objektiven medizinischen Datenpunkten, sondern auch aus individueller Patientenperspektive und gemessen an gesundheitsbezogener Lebensqualität. Innovationen der digitalen Medizin bilden eine Chance, Patientenzentrierung in den Vordergrund zu rücken und gleichzeitig praxisnah von Ärzt:innen und Therapeut:innen (mit-) gestaltet zu werden. Dadurch verändern sie die Betrachtung was eine “gute” oder gar “die beste” Gesundheitsversorgung ausmacht.

Wann hilft digitale Medizin, qualitätsorientierte Versorgung voranzubringen?

Digitale Medizin hat viele Facetten und Potentiale, um ein patientenzentriertes und innovatives Versorgungsmodell zu gestalten und damit Behandlungsqualität voranzubringen. In diesen unterschiedlichen Rollen stellen sich einige Herausforderungen, die es von allen Akteur:innen proaktiv mit zu gestalten gilt. Wie machen wir unsere Medizin innovativ, lernend und zukunftsfähig?

  1. Kommunikatorin & Übersetzerin: Wenn wir die Beziehung und Kommunikation zwischen Patient:innen und Ärzt:innen stärken sowie digitale Komponenten mit analogen verknüpfen. Digitale Lösungen können Patient:innen mit individualisierten Informationen dabei unterstützen, Entscheidungen im Behandlungsverlauf selbstwirksam mitzutreffen. Digitale Lösungen können außerdem Ärzt:innen bei der Kommunikation mit den Patient:innen und der ganzheitlichen Therapieplanung unterstützen. Denn “digital” bedeutet nicht dasselbe wie „ohne Menschen“ oder „ohne Arzt“. Digitale Medizin macht ein gutes System besser, indem sie bestehende Potenziale erschließt und verbindet.
  2. Brückenbauerin: Wenn wir eine Brücke zwischen allen Versorgungsbereichen schlagen. Unser Gesundheitssystem ist stark fragmentiert. Digitale Lösungen können einen Beitrag leisten, bestehende Silos zu verbinden und Kommunikation und Austausch unter den Disziplinen zu verbessern. Auch können patientenindividuelle und soziale Faktoren so frühzeitig und horizontal in die Behandlungsplanung eingebracht werden. Das hilft zum einen bei einem realistischem Erwartungsmanagement zu Behandlungsverlauf und -ergebnis auf Seiten der Patient:innen. Zum anderen können Ärzt:innen bei der Planung von Behandlungen und Therapiezielen individuelle Bedürfnisse einbeziehen und diese so besser auf Einzelne ausrichten.
  3. Sicherheitsbeauftragte: Wenn wir durch digitale Lösungen und Funktionen die Patientensicherheit steigern. Das kann zum Beispiel durch die systematische und zeitgemäße Erfassung von Risikofaktoren für eine Behandlung, Intervention oder einen Progress erfolgen. Diese können digital erhoben, gesammelt und an die Ärzt:innen und Therapeut:innen in Echtzeit ausgespielt werden, so dass diese die Informationen in ihre Behandlung integrieren können.
  4. Datenmanagerin: Wenn wir Datenschutz nicht mit Datenschätzen verwechseln. Digitale Medizin ermöglicht eine zielgerichtete und personalisierte Datennutzung und somit auch neue Ansatzpunkte zur Therapie und Prävention. Wir dürfen Datenschutz – eine Grundvoraussetzung zur vertrauensvollen Nutzung o.g. Innovationen und ein Grundrecht aller Beteiligten – nicht mit den Potentialen einer smarten Nutzung unseres Datenschatzes  in unserem Gesundheitssystem, d.h. dort wo diese Daten gemeinsam generiert werden – vermengen. Sonst versperren wir uns einer zukunftsfähigen, personalisierten Medizin.
  5. Vertraute für Patient:innen: Wenn wir verständlich, zuverlässig und vertrauensvoll mit Patient:innen interagieren. Dies ermöglicht es, gesundheitsbezogene Informationen adressatengerecht zu vermitteln und die Gesundheitsbildung des und der Einzelnen zu steigern. Selbstwirksamkeit und Empowerment der Patient:innen werden so von Worthülsen zu machtvollen Stellschrauben für eine hochqualitative Versorgung – aus Sicht der Patient:innen und auf Augenhöhe im Austausch mit Ärzt:innen und Therapeut:innen.
  6. Innovative Gesundheitsdeterminante: Wenn wir digitale Gesundheitskompetenz als “neue” soziale Determinante der Gesundheit erfassen. Individualisierte und bedürfnisorientierte digitale Lösungen haben das Potenzial, unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen gezielt anzusprechen und ihnen so Zugang zu innovativen Versorgungsmodellen zu ermöglichen. Auch eine Versorgung mit digitalen Endgeräten ist essentiell. Im Zusammenspiel entfaltet sich eine große Chance, Gesundheitszugang auch in unterversorgten Gebieten breiter zu ermöglichen. So können digitale Innovationen auf die Steigerung von Gesundheitsgerechtigkeit einzahlen.

Über die Autorin:

Dr. Anne Latz, M.Sc., Chief Medical Officer bei alley
Dr. Anne Latz, M.Sc., Chief Medical Officer bei alley

Dr. Anne Latz ist Ärztin und Ökonomin. Sie verfügt über vielfältige Erfahrungen im In- und Ausland, auch jenseits der Individualmedizin. Als Chief Medical Officer von alley stellt Anne mit einem interdisziplinären Team sicher, dass alley emotionale Bedürfnisse der Patient:innen  ebenso wie die strengen wissenschaftlichen Anforderungen an digitale Medizinprodukte erfüllt und gleichzeitig eine Passung in die Praxis der Leistungserbringer sicherstellt.