Podcast DIALOG GESUNDHEIT: Digitaler Pflegeworkflow. Gast: Marcel Fix, Head of Sales Healthcare für Deutschland und Österreich bei Ascom Dach

Von 100 Prozent Arbeitszeit werden durchschnittlich nur 23 Prozent beim Patienten oder im Umgang mit Patienten aufgebracht.

Marcel Fix im Podcast DIALOG GESUNDHEIT

Pflegekräfte sind knapp und heiß umkämpft. Immer mehr sind Lösungen gefragt, die die Arbeitssituation der Pflegekräfte operativ verbessern und ein effizienteres Arbeiten ermöglichen. “Wir wissen, dass Pflegekräfte im Schnitt zwischen 6,3 und 8,3 Kilometer pro Schicht laufen”, beschreibt Marcel Fix die Situation. Der Head of Sales Healthcare für Deutschland und Österreich bei Ascom Dach weiter: “Ein Großteil dieser ‘Laufstrecken’ ist darin begründet, dass oft hin und her gerannt werden muss, um Informationen einzuholen, Daten am PC einzugeben oder um einfach nach Rücksprache mit dem Patienten ein Kissen oder eine Flasche Wasser gebracht wird. Von 100 Prozent Arbeitszeit werden durchschnittlich nur 23 Prozent beim Patienten oder im Umgang mit Patienten aufgebracht. Die restliche Zeit wird genutzt für administrative Dinge, Transporte, Anrufe und Informationsaustausch (Studie von Shepley & Davies). Genau da sollte man ansetzen und versuchen mit Hilfe der Digitalisierung Laufwege zu reduzieren und den Pflegekräften mehr Zeit beim Patienten zu ermöglichen. Das führt auch dazu, dass sich Patient besser gehört fühlen, wenn schneller auf deren Anfragen reagiert werden kann.  Viele Dokumentationsprozesse etwa könnten digitalisiert werden. Warum werden Fotos zur Wunddokumentation noch mit herkömmlichen Kameras durchgeführt und dann später händisch per USB Kabel oder SD-Karte am PC im KIS dem Patienten zugeordnet? Wäre doch sinnvoll dies direkt am Patientenbett mit einem mobilen Endgerät durchzuführen.”

Deutschland hinkt jedoch im internationalen Vergleich des Pflege-Digitalisierungsgrades teilweise meilenweit im internationalen Vergleich hinterher. Dies zeigten zuletzt diverse Studien wie EMRAM oder das Most Wired Modell klar auf. “Wir bei Ascom merken dies besonders im Austausch mit unseren Kollegen in den Niederlanden, Skandinavien oder den USA. Was dort schon Realität ist, hört sich in Deutschland teilweise nach Science Fiction an. In den Niederlanden ist beispielsweise die eben erwähnte mobile Dokumentation am Bett des Patienten schon lange Standard. In Deutschland kommen immer noch Vitaldaten zeitverzögert in die Systeme, da Daten vor Eingabe in die Systeme zuvor auf Zettel oder gar auf die Hand geschrieben werden.

Ebenso ist man in vielen Ländern weiter beim gezielten Alarmieren. Während in Deutschland sehr oft noch pauschal alles an alle in den Stationen alarmiert wird, setzt man dort auf gezielte Benachrichtigungen. Dafür setzen wir uns zur Umsetzung von Alarmszenarien mit den jeweiligen Fachabteilungen zusammen und erarbeiten in einem Pflichtenheft wer, wann bei einem spezifischen Alarm benachrichtigt werden soll und wie die Eskalationsketten aussehen. Wichtig ist auch neben der gezielten Alarmierung, dass Filter und Verzögerungen gesetzt werden. Nicht jeder Alarm eines Patientenmonitors muss beispielsweise weiter gegeben werden. Vielleicht hat sich der Patient gerade im Bett bewegt und es gab einen kurzen Kontaktabbruch bei dem SpO2-Sensor. Wir sehen, dass man durch gezieltes Filtern und Verzögern von Alarmen die Alarmflut auf bis zu 10 Prozent reduzieren kann. Es ist durchaus üblich, dass mehrere 1000 Alarme am Tag pro Patient signalisiert werden. Da wird es immer schwieriger die kritischen Alarme heraus zu hören, und da können verlässliche Systeme durchaus zur (psychischen) Entlastung der Pflegekräfte beitragen (Stichwort Reduzierung der Alarmmüdigkeit).”

Wie ist die Akzeptanz von Digitalisierung in der Pflege ?

Marcel Fix: “Natürlich gibt es immer Bedenkenträger die Angst vor Neuem haben. Inzwischen ist der Bedarf an jeglichen Hilfsmitteln, die die Pflege unterstützen und die Pflegeworkflows optimieren können, jedoch enorm. Wir bei Ascom haben beispielsweise inzwischen eine erhöhte Nachfrage nach unserem klinischen, desinfizierbaren Smartphone Myco 3. In der Vergangenheit waren für die Pflegekommunikation eher klassische mobile Telefone gewünscht. Mittlerweile schätzt man die Kombination von mobiler Telefonie und der Möglichkeit diese Geräte für die mobile Pflegedokumentation, Wunddokumentation, oder Transportlogistik zu nutzen. Wir haben Kunden, die auf Jobbörsen erfolgreich am Stand mit dem Myco werben, um zu zeigen, dass man dort modern und innovativ arbeiten kann. Da gibt es regional oftmals Wettbewerb unter den Kliniken sowohl im stationären als auch im ambulanten Sektor, die immer um Pflegenachwuchs kämpfen… Es hilft wenn das Arbeitsmittel vertraut wirkt und ähnlich bedient wird wie das private Smartphone.”

Das klingt teuer?

“Zunächst einmal ist teuer ja immer relativ und ein gewisser Einwurf von Münzen ist sicher notwendig, um in der Digitalisierung vorwärts zu kommen. Die Frage ist eher was ist uns die Pflege wert, welche Ressourcen werden operativ wie verwendet und kann ich es mir leisten, dass ohne Digitalisierung weiterhin viel Zeit in den klassischen Prozessen verpufft. Ansonsten kann ich beruhigen: Unsere digitalen Lösungen bei Ascom sind erschwinglich und können besonders in der RoI-Betrachtung oder bei der Konsolidierung von mehreren Endgeräten auf unser Multitool Myco 3 punkten. Aber man sollte eben auch den erhöhten Sicherheitsgewinn die Reduzierung von Medienbrüchen oder die Entlastung der Pflegekräfte betrachten.”

Marcel Fix, Head of Sales Healthcare für Deutschland und Österreich bei Ascom Dach

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